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Ich werde die Regierung zwingen!
Heute habe ich meine 'Ausbildung' mit einer Zwei und einem wunderbaren Zertifikat abgeschlossen. Benjamin plagt mich den ganzen Tag mit Spitzen bezueglich meines laecherlichen neuen Grades. Zu meiner Abschlussarbeit wurde gesagt, ich haette da ja so meine Gedanken aufgeschrieben, aber man haette es gern etwas wissenschaftlicher gehabt. Wissenschaft faengt fuer diese Leute da an, wo die Gedanken schweigen. Wissenschaftlicher. Prt. Das sind Floristinnen, Physiotherapeutinnen und Koechinnen, die den Job normalerweise machen, diesen Job, der ja auch nach allem anderen ruft als nach Wissenschaftlichkeit, und ahnungslose Verwaltungstussen, die ihnen die Pruefung abnehmen. Wissenschaftlichkeit. Was fuer ein Unfug. 'Die wissenschaftliche Forschung hat gezeigt, dass sogenannten Spiegelneutronen beim Lernen eine ueberwiegende Bedeutung zukommt.' Jedenfalls bin ich froh, dass ich mit diesem grauenvollen Mist nichts mehr zu tun habe. Aber weil mich das alles trotzdem wurmt, klebe ich hier jetzt einfach meine ganze Abschlussarbeit ein (Jesli jest takije wosmoshnosti...). Sie ist naemlich super und uebrigens auch wissenschaftlich und wahrscheinlich die superste, die sie dort jemals zu Gesicht kriegen werden. Ich werde es allen Google-Bildsuchenden beweisen! Vorgegebenes Thema: Die wiederholende Gestaltung eines Tages- bzw. Wochenablaufes ist zur Vertiefung der Gesamtentwicklung von Kindern notwendig, um durch verschiedene pädagogische Prozesse eine selbsttätige, eigenverantwortliche und gemeinschaftsfähige Persönlichkeit heranwachsen zu sehen. Begründen Sie Ihre Vorgehensweisen.(!)
1. Einführung Null bis Drei Jahre Die Lebensphase von der Geburt bis zum dritten Geburtstag umfasst die Säuglings- und Kleinkindzeit. An sie haben wir später keine oder so gut wie keine bewussten Erinnerungen mehr, und doch hat das, was uns in dieser Phase widerfahren ist, unsere Persönlichkeit, unsere Einstellung zur Welt und unser Bindungsverhalten elementar geprägt. Die Art, wie sich unsere frühesten Bezugspersonen uns gegenüber verhalten, wird zu einem Grundmuster, das die Beziehungen, die wir später mit anderen Menschen eingehen, entscheidend einfärbt. Ob sich die Welt uns als ein freundlicher, sicherer und verstehbarer Ort präsentiert, wird bestimmen, ob sie für uns ihren Aufforderungscharakter behält, ob wir gern und mit Interesse lernen und an der Arbeit der Welt kooperativ teilnehmen, oder ob wir ihr vermeidend und misstrauisch gegenüberstehen. Ob wir uns mit unseren Bedürfnissen, unserem Körper und unserem Wesen angenommen fühlen, ob man uns für fähig oder unfähig hält, ob man uns Interesse entgegenbringt und uns etwas zutraut, all das wird beeinflussen, ob wir im späteren Leben mit uns selbst einverstanden sind und das Leben nach den uns gegebenen Möglichkeiten zu unserer Zufriedenheit ausschöpfen können. Wir brauchen Erwachsene um uns, die sich der Wichtigkeit dieser Lebensjahre bewusst sind, die uns lieben und sich um uns bemühen. Glücklicherweise sind wir aber selbst als Säuglinge keine völlig hilflosen Kreaturen, die der Welt passiv ausgeliefert sind. Wir kommen mit einem tiefen Bedürfnis zur Welt, uns auszudrücken, Kontakt aufzunehmen, Bindungen zu initiieren und zu lernen. Wir können uns etwas, das wir nicht bekommen, durch Weinen - oder charmantes Lächeln - doch verschaffen oder uns dafür Ersatz suchen, wir können uns selbst beruhigen, wenn niemand zur Verfügung steht, wir können auch unter suboptimalen Bedingungen gedeihen und lernen. Um diese in uns schlummernden Potentiale zu wecken, tut es uns sogar gut, nicht immer mitten im Zentrum des Interesses zu stehen. Unter der Bedingung, dass unser Vertrauen in unsere Eltern und die Welt nicht zerstört wird, kann unser Vertrauen in uns selbst auch an Widrigkeiten wachsen. Die Betreuung von Kleinkindern findet erst seit relativ kurzer Zeit regelmässig ausserhalb der Familie in einem professionellen Rahmen statt. Während die Fremdbetreuung von Kindern unter drei Jahren lange als praktisch undenkbar galt und bei ihrer Einführung von vielen Seiten mit nicht geringer Skepsis aufgenommen wurde, ist sie heute zumindest in Ostdeutschland sozial praktisch vollkommen akzeptiert und wird wenig hinterfragt. Dies kann nicht der Ort sein, dieses Phänomen zu beleuchten und zu diskutieren. Nur soviel soll gesagt sein: Ich denke, auch das herzlichste professionelle Interesse, das eine Krippenerzieherin oder T*agespflegeperson einem Säugling entgegenbringt, kann nicht das liebende Interesse einer Mutter oder eines Elternteils und die vielschichtige symbiotische Beziehung mit der leiblichen Familie ersetzen, daher denke ich nach wie vor, dass ein Säugling unter normalen Umständen dort am besten aufgehoben ist. Das setzt natürlich voraus, dass seine leibliche Familie liebendes Interesse für ihn empfindet. Ist das nicht der Fall, könnte eine professionelle Betreuungsperson das bestmögliche, möglicherweise sogar lebenswichtige Surrogat darstellen. In meine T*agespflege nehme ich Kinder ab etwa einem Jahr auf. Nach meiner Erfahrung und meinen Eindrücken ist das ein Alter, in dem die meisten Kinder in der Beziehung zu ihren Eltern sicher gefestigt und bereit sind, sich auf neue Bezugspersonen, neue Spielkameraden, eine neue Umgebung, die anders gestaltet ist und in der andere Regeln als zu Hause gelten, einzulassen. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass viele das Wechseln zwischen der heimischen Welt und der Welt der professionellen Betreuung virtuos meistern und grossen persönlichen Gewinn aus dieser Erweiterung ihres Horizontes ziehen. Die T*agespflege kann dabei, meine ich, einiges leisten, was herkömmliche Krippeneinrichtungen nicht leisten können; in manchen Fällen kann sie auch Dinge leisten, die die Familien der Kinder nicht leisten können, bzw. Prozesse unterstützen, die für die Eltern allein viel schwieriger zu bewältigen wären. Die T*agespflege kann einiges leisten, was in herkömmlichen Kindereinrichtungen schwierig zu realisieren ist Die T*agespflege findet im Familienrahmen statt, im Allgemeinen in Wohnräumen, die zwar anders, aber in ihrer prinzipiellen Bestimmung genau so sind wie die, die das Kind von zu Hause kennt. Es findet daher Erfahrungen, die es zu Hause gemacht hat, bestätigt, kann sie in der neuen Umgebung anwenden, auch verallgemeinern und modifizieren.
In der T*agespflege müssen die Arbeiten, die zum täglichen Leben nötig sind, und die zu erleben für Kinder in diesem Alter sehr wichtig ist, nicht aus der Erfahrung verschwinden, wie es in der Krippe zu grossen Teilen zwangsläufig der Fall ist. Die Arbeiten, die es zu Hause bereits miterlebt hat, finden idealerweise auch hier statt, auch hier wird Essen gekocht, abgewaschen, Wäsche gewaschen und aufgeräumt, auch hier gibt es einen Herd, einen Kühlschrank, eine Waschmaschine, Wäscheständer, Staubsauger, Besen, Eimer, deren Verwendung es beobachten, mit denen es auch selbst tätig werden kann. Weiterhin ist die T*agespflegeperson mit drei bis fünf Kindern viel mobiler als eine ganze Krippengruppe, so können Kinder in der T*agespflege viel mehr horizonterweiternde Erfahrungen machen als in der Krippe. Sie können regelmässig in der Nachbarschaft unterwegs sein, Strassen und Wege kennenlernen, verschiedene Orte besuchen, Erfahrungen in Geschäften und öffentlichen Verkehrsmitteln machen. So beginnen sie auch zu erfassen, wie das tägliche Leben ausserhalb der Familie organisiert ist, und sie können in der wirklichen Welt - statt in der Welt der Institutionen - ihre Wurzeln schlagen. Die T*agespflege kann die Familie des Kindes in vielem wirksam unterstützen Prinzipiell denke ich, dass Kleinkinder, auch wenn sie ausschliesslich in ihrer leiblichen Familie sind, wunderbar lernen und gedeihen können. Aus meiner Erfahrung weiss ich aber auch, dass es Entwicklungsschritte und Prozesse gibt, bei denen die T*agespflege die Eltern sehr wirksam unterstützen kann. Manchmal haben Eltern einfach ein Stück weit übersehen, dass ihr Kind jetzt kein hilfloser Säugling mehr ist. In ihrem Bestreben, ihre Tochter oder ihren Sohn glücklich zu machen, haben sich manchmal Verhaltensmuster eingespielt, die ein Kind unterfordern und in seiner Entwicklung sogar bremsen können. Ein Kind kann buchstäblich aufblühen, wenn es in eine Umgebung kommt, wo man ihm zutraut und von ihm verlangt, allein die Treppen zu steigen, allein auf seinen Stuhl zu klettern, einmal ohne Schnuller auszukommen, etwas Geduld zu haben oder sich allein zu beschäftigen. Die Notwendigkeit, sich täglich mit den anderen Kindern zu arrangieren, gemeinsam zu spielen, zu teilen und einander zu helfen, kann die soziale Entwicklung eines Kindes enorm beschleunigen. Ähnliches können die Herkunftsfamilien naturgemäss im Allgemeinen nicht leisten. Dabei darf man aber auch die Fähigkeiten der Kinder nicht überschätzen: manche brauchen nach einem anstrengenden Tag in der T*agespflege eine Zeit der ruhigen Entspannung, sie haben einen berechtigten Anspruch darauf, einmal ungestört bzw. Zentrum des Interesses zu sein, sie sollten auch ein möglicherweise gesteigertes oder regressives Aufmerksamkeitsbedürfnis ausleben dürfen. Die Welt neu zusammensetzen Egal wo ein Kind seine ersten drei Lebensjahre verbringt, es steht vor der Aufgabe, seinen Körper beherrschen zu lernen, die Sprache seiner Umgebung zu erwerben und aus seinen Sinneseindrücken erste funktionierende Hypothesen, ein erstes funktionierendes Modell der Welt zusammenzusetzen, immer wieder zu testen, zu korrigieren und zu erweitern. Das Ungeheure dieser kreativen Leistung kann man als Erwachsener kaum ermessen. Dabei kann und sollte man das Kind unterstützen, aber man kann den Lernprozess nicht für das Kind gestalten - er ist so komplex, dass unsere Versuche, ihn zu beeinflussen oder zu optimieren mit grosser Wahrscheinlichkeit mehr Schaden als Nutzen bringen. Das Kind ist mit dem unmittelbaren Interesse und der Fähigkeit geboren, die Welt selbständig begreifen zu lernen.
Was wir tun können, ist, dem Kind vielfältige und sinnvolle Erfahrungen zu ermöglichen, und sie ihm in einer Weise zu ermöglichen, die Verständnis und Einordnen in sein Weltmodell hoffentlich befördern: wiederholt, regelmässig wiederkehrend, beziehungsreich und immer mit dem Blick auf die kindliche Reaktion auf das Erfahrene, mit dem Blick auf das individuelle Kind und seine Bedürfnisse. 2. Unser Wochenplan im Sommer Montag - Haushaltstag Ich halte es für extrem wichtig, Kinder nicht von den Arbeiten des täglichen Lebens fernzuhalten. Von den arbeitenden Erwachsenen isoliert in Kindergarten und Schule, und in einer Gesellschaft, in der für Kinder fassbare, erlebbare Arbeit ohnehin selten geworden ist, wachsen Kinder heute häufig ohne die Erfahrung von Arbeit, ohne eine richtige Idee von Arbeit und ihrer enormen Wichtigkeit für die menschliche Kultur auf. Das geringste, was man tun kann, um dem entgegenzuwirken, ist, sie Arbeiten erleben zu lassen, die im Haushalt notwendig sind. Es ist auch schön, wenn mitunter etwas gehandwerkert, geschneidert oder gegärtnert wird, aber diese Dinge tut man als einzelne T*agespflegeperson, von der ja auch noch anderes erwartet wird als den Kindern etwas vorzuarbeiten, einfach zu selten, als dass sie bei den Kindern einen mehr als nur flüchtigen Eindruck hinterlassen könnten. Hausarbeiten spielen bei uns täglich eine Rolle: Als Teil unseres Morgenrituals mache ich in Anwesenheit der Kinder die Betten meiner Kinder im Kinderzimmer, das auch Spielzimmer der Tageskinder ist. Ich koche, mit ganz seltenen Ausnahmen bei langen Vormittagsausflügen, täglich das Mittagessen in Anwesenheit der Kinder, sie dürfen sich selbstverständlich dabei in der Küche aufhalten und sind willkommen zu schauen, zu kosten und verschiedenes auszuprobieren, wenn dafür Zeit ist - die Grösseren dürfen Rühren, Einfüllen und auch Reiben und Schneiden, die Kleinen beschränken sich auf Schauen und Kosten. Bevor wir vespern wasche ich das Mittagsgeschirr ab; manchmal stelle ich ein Kind dabei auf einen Stuhl und lasse es mit dem Wasser spielen, oder ich gebe den Kindern eine eigene Abwaschschüssel für das Puppengeschirr, aber im allgemeinen gehen sie währenddessen anderen Interessen nach.
Am Montag verbringen wir mehr Zeit mit Hausarbeiten. Alle zwei Wochen ziehen wir gemeinsam die Betten der Kinder ab, bringen Bezüge und Laken in die Waschmaschine, beziehen die Betten neu und hängen die gewaschene Bettwäsche auf. Die Kinder helfen beim Abziehen der Kopfkissen und Laken, beim Füllen und Anwerfen der Waschmaschine und beim Wäscheaufhängen. Dabei haben die Kleinen Gelegenheit, die Wäscheklammern zu erkunden, während die Grossen jeden Zentimeter der aufgehangenen Wäsche mit Klammern spicken. Dienstag - Spielplatztag Ich bin kein sehr grosser Freund von Spielplätzen - für mich symbolisieren sie in gewisser Weise die Ausgrenzung von Kindern aus der Welt der Erwachsenen, der Welt, in der die bedeutungsvollen Sachen geschehen. Ich finde, Spielplätze bieten nur recht begrenzte Erfahrungsmöglichkeiten - ihre Gerätschaften sind im allgemeinen nur auf die vorgesehene, wenn auch sicher gutgemeinte Weise zu benutzen, und sie legen die Phantasie lahm, indem sie die Idee fördern, dass man mit dem Spielen erst anfangen kann, wenn man eine speziell geschaffene aufwendige Infrastruktur zur Verfügung hat. Nichtsdestoweniger ist natürlich nichts verkehrt damit, für Kinder spezielle Freiräume zu schaffen, und Spielplätze sind ein Bestandteil unserer Realität, sie sind ein sozialer Treffpunkt, und die meisten Kinder gehen sehr gern dort hin. Dazu bei trägt sicher auch, dass sie auf Spielplätzen selbstbestimmt erkunden, sich relativ frei bewegen können, dass die Erwachsenen ihnen entspannt zusehen und sie nicht kontrollierend verfolgen, wie das an anderen Orten des täglichen Lebens mehr oder weniger notgedrungen der Fall ist. So gehen wir Dienstags also zum Spielplatz.
Auch sonst steht der Dienstag im Zeichen des freien Spiels bzw. der freien Beschäftigung. Sich selbst zu unterhalten, aus sich selbst heraus etwas zu schöpfen, Ideen und Interessen zu entwickeln - das sind Fähigkeiten, die Kinder von Natur aus haben. Sie sind aber in Gefahr, verschüttet zu werden, wenn die Kinder zu sehr im Zentrum der Aufmerksamkeit ihrer Bezugspersonen stehen, wenn die Bezugsperson meint, sie müsste sich ununterbrochen aktiv mit dem Kind beschäftigen. Viele, gerade besonders gutmeinende Eltern, neigen heute dazu. Wenn in bester Absicht zu vieles vorgegeben wird, zuviele Spielanregungen gegeben werden, das Kind mit Reizen und Ideen, die vielleicht gar nicht seinen momentanen Bedürfnissen entsprechen, überschüttet wird, kann es seine eigene Vorstellungskraft nicht trainieren und bekommt ausserdem leicht eine geringe Meinung von seinen diesbezüglichen Fähigkeiten - natürlich ist das, was die Erwachsenen sich ausdenken und tun können, hundertmal ausgefeilter, und das entgeht Kindern nicht. Ausserdem bringen Erwachsene leicht ihr eigenes Zeitgefühl in das Spiel ein und projizieren ihr eigenes Bedürfnis nach Abwechslung auf das Kind. Kinder sind im allgemeinen viel anspruchsloser, als Erwachsene meinen: in einfache, selbstinitiierte und häufig wiederholte Aktionen kann sich ihr Geist vollkommen versenken, während die komplizierten Vorgaben, die Erwachsene häufig machen, an ihnen vorbeigehen und für sie unbefriedigend sind. Mittwoch - interessanter Tag: Erfahrungen mit verschiedenen Materialien und interessante Plätze in der Neustadt Der kreative Prozess, in dem Kleinkinder zwischen einem und drei Jahren stecken, hat wenig mit kreativem Ausdruck zu tun, sondern viel mehr mit kreativem Aufnehmen: sie sind dabei, in sich ein Abbild von der Welt zu erzeugen. Malen, Zeichnen, Kleben und Formen ist für sie im besten Fall eine interessante manuelle Tätigkeit mit neuem Material, aber sie haben weder das Bedürfnis danach, noch die Abstraktionsfähigkeit dazu, etwas, das sie in der Aussenwelt sehen, in irgendeiner Weise abzubilden oder zu repräsentieren. Im dritten Lebensjahr bemerkt man bei manchen Anzeichen dieses Interesses, oder zumindest eines über den Augenblick hinausgehenden Interesses am selbsterzeugten Produkt. Dann ist es gut, wenn ihnen verschiedene Möglichkeiten des kreativen Ausdrucks zur Verfügung stehen, die sie vielleicht auch schon vorher einmal kennengelernt haben. Buntstifte und Papier zum Herumkrakeln stehen bei uns regelmässig zur Verfügung. Mittwochs erproben wir andere kreative Ausdrucks-möglichkeiten, oder arbeiten mit verschiedenen Materialien, die nicht zum immer vorhandenen Spielzeug gehören und von denen ich weiss oder annehme, dass die Beschäftigung mit ihnen für die Kinder interessant und anregend ist. Das kann eine Dose mit vielen Münzen und Schlitz im Deckel sein - Kinder interessieren sich brennend für Geld, das bei den Erwachsenen ja so eine offensichtlich grosse Rolle spielt, dürfen aber selten ausgiebig damit spielen. Das kann eine Kiste mit Verpackungsflocken sein, oder blasige Verpackungsfolie, oder bunte Glassteine und viele leere Büchsen, die zum Befüllen und vielleicht sogar Sortieren einladen, oder ein paar Pappkartons, oder eine Tasche voller kleiner Gummibälle, oder eine Schüssel mit Eiswürfeln. Manchmal bauen wir Mittwochs eine Murmelbahn aus ein paar alten Pappröhren auf. Manchmal stelle ich Bastelmaterialien vor: Klebestifte und Papier, oder Kinderscheren und Papier. Ich zeige zwar, was man damit machen kann, die meisten meiner Tageskinder sind aber zu klein, um wirklich koordiniert damit umzugehen. Für sie ist es schon interessant und befriedigend, die Klebestifte auf- und zuzudeckeln oder die Schere in der Hand zu bewegen, und ich dränge sie nicht dazu, diese Materialien zielgerichteter zu benutzen. In meiner Erfahrung lässt diese Art von Drängen das kindliche Interesse an etwas sehr schnell erlahmen. Von Zeit zu Zeit biete ich auch Salzteig oder selbstgemachte Malfarben an. Aktivitäten, die mit dem Schöpfen und Umfüllen von Materialien zu tun haben - das können Trockenprodukte wie Bohnen, Mais und Erbsen sein, Vogelsand oder Wasser - interessieren nach meiner Erfahrung viele Kinder. Ich stelle eine grosse Schüssel des jeweiligen Materials auf dem Tisch, auf einer Unterlage oder auf dem Balkon zur Verfügung, dazu Puppentöpfe und Teller oder ausgewaschene Lebensmittelverpackungen, Löffel und Kellen. Das Anfassen des Materials ist für die Kinder ein sinnliches Vergnügen, Hantieren mit Löffeln und Gefässen fördert die Feinmotorik und das Ein- und Umfüllen in verschiedene Gefässe lässt Leer und Voll, Kleiner und Grösser erfahrbar werden. Grössere Kinder entwickeln ihr Spiel schon in Richtung kleiner Phantasiespiele wie Kochen oder Bewirten.
Unser Spaziergang am Mittwoch führt uns auf verschiedenen Routen in der Neustadt herum. Ich finde es wichtig, dass die Kinder sich in den Strassen ihrer Nachbarschaft zu Hause fühlen, und auch dass sie, natürlich entsprechend ihren Möglichkeiten, einmal etwas ausdauernder laufen, dabei lernen, wie man sich auf der Strasse verhält und erfahren, wie interessant es sein kann, die Welt zu Fuss zu entdecken. Natürlich bestehe ich dabei darauf, dass sie sich an die nötigen Sicherheitsvorkehrungen halten: Strassen überqueren wir nur, wenn sich alle laufenden Kinder am Kinderwagen oder an meiner Hand festhalten. In Nebenstrassen lasse ich die Kinder auch allein auf dem Gehweg laufen; wir bleiben stehen, wenn die Kinder das wollen, um zum Beispiel in Schaufenster zu schauen, auf Treppenstufen zu klettern oder einen Schnipsgummi aufzuheben. Auf diesen Spaziergängen gibt es Gelegenheit, sich über Verschiedenes zu unterhalten, neue Wörter zu lernen (Parkscheinautomat!), die Farben der parkenden Autos zu bestimmen, zu singen. Man trifft den Postmann oder eine andere T*agesmutter, hier werden Getränkekisten aus einem Lieferauto ausgeladen, da begrüssen sich zwei Hunde, eine Oma spricht die Kinder an, hier ist ein Aushang über einen entflogenen Wellensittich, dort arbeitet ein Kran oder Bagger (und unglaublich viele Schnipsgummis und andere offenbar faszinierende Dinge liegen auf der Strasse herum). So entsteht in den Kindern hoffentlich der Beginn einer inneren Karte ihrer Nachbarschaft (diese Strasse führt zum 'Elbewasser'!) und ein recht vielfältiges Bild vom Leben in der Stadt. Donnerstag - Musikalischer Tag
Musik spielt in unserem Alltag immer eine Rolle, ich singe oft, während ich noch etwas anderes tue, beim Kochen, Aufräumen oder Spazierengehen. Viele Lieder kommen bei uns immer wieder vor: 'Meister Jakob' als Lied zum Aufwachen, 'Schlaf Kindchen Schlaf' als Einschlaflied, 'Die Blümelein sie schlafen' als Lied vor dem Zubettgehen, 'Hänschen klein' und 'Kommt ein Vogel geflogen' als Lieder, in denen die Tageskinder ihre Situation reflektiert sehen könnten, 'Fuchs du hast die Gans gestohlen', 'Hopp hopp hopp' und 'Zwischen Berg und tiefem tiefem Tal' als klassische Kinderlieder. Sie werden von den Kindern wiedererkannt und teilweise mitgesungen. Bringt ein Kind von zuhause ein Lied mit, greife ich das natürlich auf. Im Jahreszeitenrhytmus führe ich regelmässig ein oder zwei passende neue Lieder ein. Am Donnerstag vormittag gehen wir zu den KinderTanzSingGeschichten von Nadja R*ieger im Cafe Orange. Zu verschiedenen Themen (z.B. Frühling, Sommer, Farben, Mutter Erde, Afrika) die sich jeweils drei Wochen lang wiederholen, hat Nadja ein kleines Programm vorbereitet, in dem sich Singen, Tanzen, Zuhören und Spielen abwechseln. Alle Kinder gehen gern dort hin, und mit der Zeit habe ich bemerkt, dass selbst die Kinder, die sich scheinbar nicht oder kaum beteiligen, sich genau an alles erinnern können und Lieder und Tanzroutinen überraschend gut beherrschen. Bei den KinderTanzSingGeschichten wird Freude an Musik und Rhythmus geweckt, die Kinder werden angeregt, einfache Rhythmen zu reproduzieren und sich im Tanz zu bewegen. Das geschieht in einer Umgebung, in der es wenig ablenkende Reize gibt und wo man nur zum Tanzen und Singen hingeht, mit Nadja als spezieller musikalischer Bezugsperson. Das sind Umstände, die das musikalische Lernen im Cafe Orange effektiver als bei uns zu Hause machen. Freitag - Ausflugstag Jeden Freitag unternehmen wir einen längeren Ausflug und fahren dabei mit der Strassenbahn oder der Elbfähre. Das ist fuer die Kinder interessant, und sie lernen, sich in öffentlichen Verkehrsmitteln sicher und selbstbewusst zu fühlen und richtig zu verhalten (Ein- und Aussteigen, Richtig Sitzen, Festhalten!). Unsere Ausflüge fuehren uns mit der Elbfähre auf die andere Elbseite, wo es eine grosse Obstwiese gibt, mit der Strassenbahn zum Hauptbahnhof, zum Botanischen Garten, auf die Prager Strasse, zum Zwinger, zum Lingnerschloss mit seiner Terasse mit Aussicht über ganz Dresden und zum Schloss Albrechtsberg. Dabei ist mir wichtig, mit den Kindern den öffentlichen Raum zu nutzen, ihnen verschiedene Umgebungen zu zeigen (einen Bahnhof, eine grosse Baustelle, eine Einkaufsstrasse, ein Museum, ein Gewächshaus, einen Park) - und wenn es dort Treppen zum Klettern oder einen Springbrunnen zum Wasserspritzen gibt, um so besser. Häufig fahren wir auch mit der Strassenbahn zur Dresdner Heide und gehen in den Wald. Mir ist es wichtig, dass die Kinder den Wald kennenlernen, einen Ort, wo die Wege nicht asphaltiert sind und die Blätter nicht weggefegt werden, wo jeder Zentimeter mit Vegetation bewachsen ist, wo keine Werbung um ihre Aufmerksamkeit buhlt und keine Autos lärmen, wo Käfer krabbeln, Spechte klopfen, Bächlein fliessen, Eicheln und Bucheckern auskeimen und das Leben im Rhythmus der Jahreszeiten den immergleichen Lauf nimmt. Der Mensch ist ein Bestandteil der Natur und von ihr abhängig - wenn man in der Stadt lebt, kann man leicht vergessen, dass das so ist und dass Strassen und Häuser nicht der einzig mögliche Lebensraum sind. Ich möchte den Kindern die Chance bieten, den Wald mit seiner von der Stadt so unterschiedenen Atmosphäre kennenzulernen und sich auch dort zu Hause zu fühlen. Ob das späterhin für sie wichtig bleibt, hängt von ihnen und ihren Familien ab, aber es ist mir wichtig, sozusagen ein bisschen für den Wald als wunderbaren Ort zu werben. Abschluss Das ist also unser sommerlicher Wochenplan. In seinem Lauf haben die Kinder häusliche Arbeiten erlebt, gespielt, mit verschiedenen Materialien gelernt und gearbeitet, gesungen und getanzt und ihre nähere und weitere Umgebung kennengelernt und die jahreszeitliche Natur erlebt. Sie haben sich viel bewegt, sind auf bekannten und unbekannten Wegen gelaufen, auf Wiesen-, Wald- und Gehwegen, dort, wo man frei umherlaufen kann und dort, wo man sich an viele Regeln halten muss, sie sind Treppen gestiegen, auf Mauern balanciert, in Strassenbahnen oder auf die Fähre geklettert. Mit anderen Worten, sie haben hoffentlich viele Erfahrungen gemacht, mit denen sie bei ihrer Arbeit, sich ein Bild von der Welt zu machen, etwas anfangen können, sie haben ihre grob- und feinmotorischen, ihre sprachlichen und musischen Fähigkeiten trainiert, und sie haben miteinander und mit mir vergnügt zusammengelebt.
Im Winter, wenn das Wetter schlechter ist, werden wir zwar, wenn möglich, immer noch jeden Tag hinausgehen, aber mit dem regenbedingten Wegfall manchen Spielplatztages werden wir öfter etwas miteinander backen, oder ich werde etwas basteln oder handarbeiten und auch den Kindern die entsprechenden Materialien zur Verfügung stellen. Alles, was einem Neugeborenen auf der Welt begegnet, ist natürlich erst einmal komplett präzedenzlos. Das Wichtige vom Unwichtigen ununterschieden, fluten die Erscheinungen der Welt scheinbar ohne Zusammenhang auf es ein. Nach und nach schälen sich aus dem Chaos die elementar wichtigen Dinge heraus, vieles andere wird zunächst auch aus Selbstschutz einfach ausgeblendet. Jenseits der elementaren Dinge gibt es auch für ein ein- bis dreijähriges Kind noch unfassbar vieles, das komplett unverstanden bzw. unwahrgenommen ist. Auch ein wiederkehrendes Ereignis muss manchmal sehr häufig wiederkehren, bis es als solches erkannt wird, und Leander wird wahrscheinlich noch an seinem dritten Geburtstag freudig überrascht sein, auf der Strasse Autos anzutreffen. Ein Tages- und Wochenplan ist ein Hilfsmittel für die Kinder, sich die Welt zu öffnen, Muster und Strukturen in ihren Erscheinungen zu erkennen, und auch ein Anker im Bekannten, wenn das Unbekannte und scheinbar Regellose sie zu überwältigen droht. Eine Möglichkeit, eingebettet in Bekanntes und Beruhigendes Neues und Aufregendes aufzunehmen und so seinen Horizont stetig zu erweitern. So ein Plan ist für die Kinder da, und nicht umgekehrt. Auch dass er nicht in Stein gemeisselt ist, dass er sich für einen Tag ausser Kraft setzen lässt, ist eine Botschaft, die wichtig sein kann.
The end. Oh, diese bloeden Tussen.
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